Virtue of comfort Virtue of comfort
Name Lucia IMG
Contact Send pm
Member Userpage
Experience 150
 
Last visit 06/10/2009 11:31 PM
 
Beginner in guild "Unterwasserwelt Atlanta"
IMG

Gallery   Exams   Main account   Statistics
  Pets   Wardrobe   Shop   Cuddle toys

Ich bin der Engel des Trostes und meine Aufgabe ist es, den Menschen zu helfen, die unter seelischen Schmerzen und Qualen leiden. Ich nehme mich ihrer an und mache das Leben fĂĽr sie wieder lebenswert!


IMG

  Risings and spells

Ich tröstete das kleine Mädchen, dessen Mutter ich vor dem Tod bewahrte und wurde anschließend zum Erzengel ernannt, was mein schlechtes Gewissen damals nur noch verstärkte. Ich fühlte mich, als hätte ich diese Ehre nicht verdient.

Ich wusste nicht, wie mir geschah. Ich hatte stets geglaubt, dass mein Bruder mich aufrichtig geliebt hatte, dass er stets für mich da gewesen war und dass jene schmerzhafte Erfahrung eben ein Bestandteil dessen war, was man Liebe nannte. Doch alles, was ich nach und nach erfuhr, verunsicherte mich mehr und mehr...
Eines Tages begab ich mich dennoch auf den Weg zur Erde, um Ablenkung von all jenen Geschehnissen zu bekommen, die in meinem Kopf herumspukten. Es sollte jener Tag sein, der etwas in mir veränderte. Ich spürte ihre Traurigkeit lange bevor ich das Mädchen sah. Sie saß in einem Park nahe einer kleinen Brücke und weinte. Es regnete in Strömen und sie trug lediglich ein dünnes Sommerkleid. Vorsichtig näherte ich mich ihr, um ihr eine Hand auf die Schulter zu legen und mich neben sie zu knien, doch sie schrak zurück. "Verschwinde! Lass mich allen!", sie verbarg ihr Gesicht in ihren Armen und stieß mich zurück. Ich fühlte, dass etwas Schlimmes geschehen war. "Ich bin Lucia, der Engel des Trostes. Ich will dir nichts Böses", sagte ich, um sie zu beruhigen, doch sie blickte nicht auf, sondern erwiderte nur: "Es gibt keine Engel! Sonst wäre all das nicht passiert!" Ich setzte mich neben sie. "Engel sind auch nicht allmächtig und können nur einer Person zur selben Zeit helfen. Du glaubst gar nicht, wie viel leid täglich auf der Welt geschieht. Wir können unmöglich überall sein." Ich sreichelte vorsichtig ihr Haar. Ihr Weinen wurde stärker und ohne, dass ich darauf vorbereitet gewesen war, warf sie sich in meine Arme und schluchzte: "Warum? Warum?! Ich wollte das nicht, ich wollte das nicht! Wir sind seit zwei Monaten ein Paar, aber ich wollte nicht mit ihm schlafen!" Ich erschrak und legte vorsichtig einen Arm um sie, als sie weitersprach: "Er hat mich einfach festgehalten! Ich hab gesagt, dass er es lassen soll, aber er ließ mich nicht los! Es tat so weh..." Ich umarmte das Mädchen und suchte verzweifelt nach Worten: "Manche Menschen wissen die Liebe nicht zu schätzen: Sie beuten sie schamlos aus zu ihrem eigenen Vergnügen. Aber nicht alle Menschen sind so. Du musst dich nicht für das schämen, was er getan hat. Er ist der alleinige Verbrecher und seine Tat wird ihm nicht vergeben werden. Nicht alle Menschen sind so. Es gibt durchaus auch Menschen, die dir Wärme und Geborgenheit spenden können..." Sie schluchzte noch immer, doch leiser. Ich hielt sie noch immer im Arm. Auf einmal konnte ich eine Silhouette erkennen, die sich auf uns zu bewegte. "CHARLENE!", sie keuchte, als sie uns (ode rzumindest das Mädchen) erblickte, rannte sie auf uns zu: "Ich hab dich schon gesucht, hey, komm her!" Es war ein anderes Mädchen, das sie in dei Arme nahm. "Verdammt, Kleines, alles in Ordnung? Komm, wir gehen erstmal zu mir nach Hause, ich mach dir eine heiße Schokolade und dann wird alles besser! Ich war eben bei dir und deine Mutter meinte, du seist noch immer nicht zurück. ich hatte gleich so ein schlechtes Gefühl!" Charlene warf einen Blick über die Schulter, um mir zuzulächeln, doch sie konnte mcih bereits nicht mehr sehen. Ich selbst blickte in die Tiefen des Sees, der sich unter der Brücke befand und dachte nach...

Wieder im Himmel angekommen, wurde ich vor Gott gerufen. "Lucia, Engel des Trostes! Du wirst hiermit in die zweite Triade berufen, denn du hast dich würdig erwiesen, indem du deine Vergangenheit hinter dir gelassen hast!" Ich blickte zu Boden. Es stimmte. Ich hatte es verarbeitet... nach so langer Zeit... nach viel zu langer Zeit. Ich blickte erneut auf. Doch dieses Mal lächelte ich.


  As I became an angel...  As I became an angel...
Meine Geschichte liegt weit, weit zurück in den alten Tagen, kurz nachdem Satan Gott verriet und mit seiner Scharr in die Hölle verbannt wurde. Ich starb zu dieser Zeit als noch junges Mädchen. Zwar gehörte ich einer Adelsfamilie an, doch meine Eltern liebten mich nicht und sorgten sich nur darum, mit wem sie mich nun verheiraten sollten, um reich zu werden. Der einzige Mensch, der mir etwas bedeutete, war mein sechs Jahre älterer Bruder. Er war immer für mich da, wenn ich mal Probleme hatte und gab mir die Liebe, die ich von meinen Eltern so dringend gebraucht hätte, jedoch nicht erhielt. Eines Tages jedoch wurde er krank. Meine Eltern hatten alle Hoffnung für unser Haus und somit einen Erben in ihn gesetzt, er war sogar mit dem reichsten Mädchen im Dorf vermählt. Doch seine Krankheit ruinierte ihre Pläne. Die Vermählung wurde aufgelöst und obwohl er so gut aussehend war, wollte niemand seine Tochter an ihn heran lassen. Nach drei Jahren der größten Quälerei schied er schließlich dahin. Ich kann mich noch genau an den Schmerz erinnern, den ich damals empfand. Normalerweise vergeht das, ich jedoch kam nie darüber hinweg. Meine Eltern schienen sich noch weniger für mich zu interessieren. Ich hatte seine letzten Tage unmittelbar an seinem Bett verbracht und wich auch nach seinem Tod nicht von seiner Seite bis sie ihn schließlich davontrugen, um ihn in die Erde zu legen. Ich betete zu Gott, dass er ihn als einen seiner Engel aufnehmen würde.
Einige Tage später spürte ich erste Anzeichen. Ständig musste ich husten, verlor sehr viel an Gewicht. Zuerst wusste ich nicht, was mit mir los war. Wenn ich hustete, fing ich an, Blut zu spucken – wie mein Bruder des getan hatte! Schon bald war auch ich ans Bett gefesselt und zwar mit strengstem Besuchsverbot. Oft verbrachte ich Stunden damit aus dem Fenster in die Sonne zu schauen, mir einfach nur zu wünschen, ein glücklicheres Leben geführt zu haben. Als die Schmerzen besonders schlimm wurden, war mir klar, dass es keine Hoffnung mehr gab. Zeitweilens litt ich an sehr schlimmer Atemnot. Ich musste noch nie so viele Qualen durchleben. Ab und zu besuchte mich einer der Ärzte unserer Stadt in einem seltsam anmutenden schwarzem Gewand mit einer Maske, die mich an einen Vogel erinnerte.
Ich sah meine Eltern nicht mehr, bevor ich dahin schied. Wahrscheinlich haben sie mich sowieso nie geliebt.

Im Himmel herrschte reges Treiben, als ich ankam. Ich war gerade mal siebzehn Jahre alt gewesen, als ich starb und es kam mir zuerst komisch vor, nicht mehr husten zu müssen. Die zwei Jahre, die ich im Bett verbrachte, hatten mich sehr gekennzeichnet.
Einige Engel sagten mir, dass ich mich Gott zeigen müsse, damit er mir sagen könne, was für ein Engel ich sein sollte. Sie hatten immer noch Hoffnung, dass alles bald zum gewohnten Gang zurückging, denn, wie ich einige Zeit später erfuhr, Gottes liebster Engel hatte ihn schon vor einiger Zeit verraten und Gott kam einfach nicht über den Verlust hinweg. Ich wurde vor Gott geführt und sollte meine Lebensgeschichte erzählen. Allerdings schien mir, dass er gar nicht wirklich zuhörte. Ich jedoch geriet ins Erzählen, daher berichtete ich auch davon, dass mich nie jemand geliebt habe außer mein Bruder und wie sehr es schmerzte, ihn zu verlieren. Gott sah auf. „Engel des Trostes“, flüsterte er. Ich verstand ihn nur sehr schlecht. „Wie bitte?“, fragte ich zaghaft. „Der Engel des Trostes ist gekommen“, lächelt Gott. „Aber wie soll ich denn trösten können“, erwiderte ich verwirrt, „wenn ich selbst nie Liebe erfuhr? Wie soll ich Trost und damit Liebe geben?“ „Du weißt, wie sehr es schmerzt und kannst es nachempfinden. Du wirst allen helfen wollen, alles schon, um diesen Schmerz, den du durchleben musstest, zu vermeiden.“
So tröstete ich damals auch Gott. Allerdings hatte er mit diesem Satz Recht gehabt. Ich wollte helfen und niemanden diese Schmerzen noch einmal durchleben lassen. Das war auch, was mir damals, in den alten Tagen als wir noch nicht so viele Engel waren, zum Verhängnis wurde.

Es war nicht lange, nachdem ich in den Himmel aufgenommen wurde, als ich die Aufgabe bekam, ein Kind zu trösten, dessen Mutter in Kürze sterben würde. Also flog ich zur Erde hinab, um mir die ganze Sache genau anzusehen. Das Kind war nicht älter als 10 Jahre. Langsam trat ich in das Totenzimmer, in welchem es am Bette seiner Mutter kniete. Ich erkannte einen ähnlichen Krankheitsverlauf wie den meinigen und den meines Bruders, als mir dieses Bild einen Stich ins Herz versetzte. Ich wusste, wie es sich fühlen musste!
Behutsam setzte ich mich neben das Kind. „Hey“, sagte ich mit sachter Stimme. „Was willst du?“, schluchzte das kleine Mädchen. „Ich will dir helfen.“ Ich legte meine Hand auf die ihrige. Sie sah mich an. „Kannst du meine Muter retten?“ Ich hätte wohl damals dasselbe gefragt, wäre ein Engel am Bette meines Bruders erschienen. Traurig schüttelte ich den Kopf. „Nein“, seufzte ich. „Das kann ich leider nicht. Es ist ihre Zeit, in den Himmel zu gehen und mit Gott zu wandeln. Sie wird einer der schönsten Engel sein, das verspreche ich dir.“ „Ich will nicht, dass sie ein Engel wird!“, schrie das kleine Mädchen. „Ich habe doch sonst niemanden! Ich will nicht, dass sie mich verlässt! Geh weg! Verschwinde!“ Sie vergrub ihr Gesicht in den Kissen und so viel ich versuchte, auf sie einzureden, sie wollte meinen Worten einfach keinen Einlass gewähren.
Es schmerzte, unverrichteter Dinge in den Himmel zurückkehren zu müssen. „Du hast getan, was du konntest“, sagten mir einige Engel, „aber es ist Zeit, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Das erinnert dich zu sehr an dich selbst. Denk nicht mehr darüber nach. Wie du wird auch sie lernen, damit zu leben.“ Wie ich wird sie lernen, damit zu leben! Ich hatte nie damit leben können. Ich hatte immer den Tag meines Todes herbei gesehnt, weil es nichts Lebenswertes mehr in meinem Leben gegeben hatte. Es musste eine Möglichkeit geben, ihr zu helfen!
Ich bat Gott um eine Audienz und schilderte ihm mein Problem, wogegen er jedoch ur erwiderte: „Es tut mir Leid, Lucia. Das ist Schicksal. Es ist das ihrige zu sterben, so wie es das deinige und das deines Bruders war. Wir dürfen nicht in den Lauf der Welt eingreifen. Was würde denn passieren, wenn nie jemand sterben würde? Es gibt eine Zeit für jeden und die dieser Frau ist jetzt. Es tut mir Leid.“ Irgendetwas brach tief in mir. Ich weiß nicht genau, was es war. Spürte ich den Schmerz dieses Mädchen so sehr oder war das mein eigener? Ich hatte meinen Bruder im Himmel immer noch nicht wieder finden können und hielt mir das immer noch vor. Wie konnte Gott nur so herzlos sein? Warum konnte nicht jemand anderes für diese Frau sterben? Warum? – dieses Wort verließ mich die nächsten Tage in Gedanken nicht.
Ich kehrte ein paar Mal noch zu dem Mädchen zurück und musste zusehen, wie sich der Zustand ihrer Mutter immer mehr verschlechterte. Sie verschloss sich immer noch gegenüber meiner Worte. In diesem Augenblick beschloss ich, dass ich ihr helfen würde – ich musste nur noch einen Weg finden, wie!

Es verstrichen nur drei Tage. Selbst wir jungen Engel müssen zur Schule gehen, damit wir lernen, wie wir Dämonen ausfindig machen könnten. Dämonen lebten mit Vorliebe in seelenlosen Menschen, welche wir anhand ihrer Aura von den richtigen Menschen unterscheiden konnten. Diese Stunden waren sehr wichtig und seit Luzifers Verrat bestand Gott darauf, dass wir alle sehr hart lernten, da man nie wusste, wann der nächste Angriff auf den Himmel folgen würde. Diesen Morgen jedoch unterhielten wir uns über die Versprechen, die Dämonen einem gaben. Meistens hielten sie sie nicht, so wurden wir gewarnt. Doch interessierte besonders, was der Lehrer über diese eine Dämonin zu sagen hatte...
„Sie hält sich selten in der Nähe der Hölle oder direkt in der Hölle auf. Ich glaube, dass sie sich Laila oder so etwas in der Art nennt, wie ihr wisst, ändern Dämonen ihren Namen immer, wie es ihnen passt. Jedenfalls war sie für uns in letzter Zeit so interessant, weil wir glauben, dass sie ein Heilmittel gegen die Pest gefunden hat. Wir versuchten schon, es von ihr zu erhalten, aber wie wisst, sind Dämonen nicht sehr kooperativ, wenn es darum geht, Engeln zu helfen“, der Lehrer schüttelte ungläubig den Kopf. „Wir werden es wahrscheinlich nie wissen, ob dies der Wahrheit entspricht.“ Er fuhr fort, über andere Dämonen und gefallene Engel zu reden, doch ich hörte schon gar nicht mehr zu. Ich musste Laila finden und dieses Mittel von ihr bekommen, koste es, was es wolle!

Die Sterne funkelten hell am Himmelszelt. Ich besaß nicht viele Freunde und schlief meistens abseits, von daher machte ich mir keine Sorgen, dass mir jemand folgen würde. Ich war noch nie bei Nacht als Engel auf der Erde gewesen. Das Mondlicht auf den Wipfeln der Bäume, das Rauschen in den Zweigen und all jenes ließ mich an meine Tage als Menschenmädchen denken. Verwundert sah ich zum Himmel auf. Seit ich gestorben war, hatte ich keinen Gedanken daran mehr verschwendet.
Wolken schoben sich vor den Mond und es wurde kühl. Ich hatte etwas Angst, mich in die Nähe der verfluchten Wälder und den Toren zur Hölle zu begeben, doch es musste sein. Die Nacht schien hier um so vieles schwärzer zu sein. „Dir ist schon klar, dass du erledigt bist, wenn dich hier jemand findet“, hörte ich auf einmal eine Stimme hinter mir sagen. Ich fuhr umher, konnte jedoch nichts erkennen. „Wer bist du?“, fragte ich und versuchte, das Zittern in meiner Stimme zu unterdrücken. „Die Frage ist doch: Wer bist du? Sich als Engel hier umher zu treiben – und das vor allem nachts – kann tödlich sein, für den Fall, dass sie dir das da oben nicht beigebracht haben.“ „Ich suche Laila“, meinte ich zaghaft. „Oh“, meinte die Stimme, aber es klang sehr ironisch. „Wozu? Damit du ihr eine Lehre dafür erteilen kannst, dass sie Gott verraten hat, wie schon so viele andere kleine Engelchen vor dir?“
„Nein, nein“, wehrte ich ab. „Ich habe gehört, dass sie ein Heilmittel gegen die Pest gefunden hat!“
„So, so...“, auf einmal konnte ich fremden Atem neben mir spüren und wich instinktiv zurück. „Da kommst du umsonst!“
„Bist du Laila? Zeige dich, bitte...“, sagte ich zaghaft. Mir war diese Dunkelheit absolut nicht geheuer. Da flammte auf einmal ein Lichtschein auf. Zuerst blendete es meine Augen, doch schnell gewöhnten sie sich an das Licht, welches eh stetig abnahm bis es nur mich und die Dämonin beleuchtete, die dort vor mir stand. Sie sah gar nicht so bösartig und Furcht einflößend aus, wie es uns immer erzählt wurde, daher erschrak ich mich für einen Moment. „Du scheinst mir nicht gefährlich zu sein“, meinte sie mich musternd. Ihre Augen mussten einmal strahlend lila gewesen sein, doch jetzt waren sie dumpf und sie einstmalig sehr gepflegtes blondes Haar war einfach bloß über die Schulter geworfen. Der Ausdruck in ihren Augen schien mich anzuschreien, dass ihr doch alles egal sei. Sie trug eine schwarze Hose und ein knappes, rotes Top. „Es tut mir Leid, dass ich dich stören muss, aber ich flehe dich an, mir dieses Heilmittel zu nennen! Ich werde es auch niemandem verraten, ich schwöre!“ Laila zuckte mit der Augenbraue und sah mich mit einem durchdringendem, kühlen Blick an. „Du schwörst? Haben sie dir nicht beigebracht, dass man nicht schwört? Du würdest gegen Gott gehen. Unschuldige Engel wurden bei Luzifers Verrat verbannt und nun leben solche wie du im Himmel?“
„Lass mich bitte erklären“, ich hatte aus irgendeinem Grund unglaublich viel Respekt vor dieser Dämonin, was mir ganz und gar nicht gefiel. Wenn sie ein Engel gewesen wäre, hätte ich mich wahrscheinlich noch nicht einmal getraut, sie aus der Ferne anzusehen. Sie schien sehr viel Wissen zu besitzen, mehr als irgendein anderes Lebewesen in diesem Universum. „Um ehrlich zu sein, hatte ich heute noch etwas vor. Normalerweise verweile ich hier nicht. Du hast Glück, dass du heute hierher gekommen bist, oder dich hätten andere Dämonen gefunden und in Stücke gerissen. Also mach, dass du in den Himmel zurückkommst“, Laila wollte sich zum Gehen wenden, doch da griff ich ihren Arm und hielt sie zurück. „Nein, warte!“, rief ich verzweifelt und auf einmal entlud sich alles, ohne dass Laila mich gebeten hatte, ihr alles zu erzählen. „Hör zu, ich brauche dieses Heilmittel! Ich würde alles dafür tun! Was glaubst du, warum ich hierher kam, um dich zu suchen? Ich wurde vor einiger Zeit auf die Erde gesandt, um dieses kleine Mädchen zu trösten, dessen Mutter im Sterben liegt. Aber ich kann es nicht! Sie ist viel zu sehr verletzt. Ich will ihr helfen, nein, noch mehr, ich muss ihr helfen! Ich kann sie nicht im Stich lassen! Darum brauche ich dieses Mittel von dir und ich schwöre, dass ich es nie jemandem erzählen werde, aber du musst es mir geben!“ Laila riss sich los und rieb ihr Handgelenk. „Hm. Nette Geschichte“, sagte sie und blickte in meine Augen. Ich hielt dem Blick stand. Schließlich seufzte sie. „Weißt du, du weißt, was du willst. Das gefällt mir. Aber ich werde es dir nicht umsonst geben.“ Meine Miene hellte sich auf. Ich war so nah dran!
Laila schaute hinauf zum Sternenhimmel, als sei es einer der Sterne, den sie haben wollte. Ich folgte ihrem Blick. Eine Weile lang herrschte Stille, bevor Laila wieder zum Sprechen ansetzte: „Pass auf. In der Himmelsbibliothek gibt es ein Buch mit dem Namen Die Großen des Krieges. Es ist unheimlich alt. Wenn du mir dieses Buch bringst, gebe ich dir das Heilmittel.“ „Ist das alles?“, fragte ich verdutzt, jedoch glücklich. „Wir treffen uns in zwei Tagen hier“, erwiderte Laila, dann erlosch ihr Licht und ich war in völliger Dunkelheit allein gelassen.

Am nächsten Morgen schlief ich in der Schule fast ein. Niemand hatte mein Fehlen über Nacht bemerkt und meine Gedanken kreisten bloß um dieses Buch, von dem ich noch nie etwas gehört hatte. Nach der Schule machte ich mich auf in die Bibliothek, um Die Großen des Krieges zu suchen. Ich hätte einfach fragen können, doch wenn das Buch dann fehlte, wäre ich die erste, die unter Verdacht geraten würde, also brachte ich fünfeinhalb Stunden in der Bibliothek zu bevor ich es endlich gefunden hatte. Es sah wirklich alt aus, doch klang es relativ harmlos. Ich konnte mir nicht denken, was Laila mit diesem Buch wollte. Ich blätterte es einmal kurz durch und es erschien mir wie ein Buch über alte Engellegenden und Märchen. Was könnte ein Dämon wohl mit so einem Buch wollen? Vielleicht war ihr ja langweilig, dachte ich, glaubte es aber selber nicht. In diesem Moment dachte ich wieder an das Mädchen und ihre Mutter und wusste, dass ich keine Zeit verlieren durfte. Um nicht zu auffällig zu wirken, griff ich wahllos drei andere Bücher aus den Regalen und schlenderte gemäßigten Schrittes aus der Bibliothek.

Der nächste Tag verstrich nur langsam und ich zählte die Stunden bis zu meinem Treffen mit Laila. Sowie der letzte Sonnenstrahl vom Horizont verschwand, schlich ich mich aus der Schlafenshalle der Engel und machte mich auf den Weg in die verfluchten Wälder. Da in der Dunkelheit alles gleich aussah, verließ ich mich einfach darauf, dass Laila mich wieder finden würde. Na einiger Zeit hörte ich ein Knacken der Zweige und schrak zusammen, bis dann schließlich die kleine Leuchtkugel wieder aufflammte und ich die Dämonin erneut vor mir stehen sah. In der Hand hielt sie eine kleine Flasche, in der sich eine grünlichgelbe Flüssigkeit befand. „Ich habe dir dein Heilmittel hergestellt“, meinte sie und hielt das Fläschen hoch. „Es war äußerst schwer, an die Zutaten zu kommen, ich hoffe also, dass du das Buch besorgt hast.“ Ich öffnete meine Tasche und zog das schwere, abgewetzte Buch hervor. „Sehr schön“, meinte Laila und entzog es schon meinem Griff. Sie wandte sich ab. „Warte! Was ist mit der Medizin?“ „Lass mich schauen, ob es auch das richtige ist!“, fauchte Laila und eingeschüchtert trat ich einen Schritt zurück. Sie musterte die schon verblassten goldenen Buchstaben auf dem Umschlag und schlug es auf. „Ich traue keinem Engel mehr“, sagte sie schließlich, als sie es wieder zuschlug. Dann sah sie mich an. „Wer weiß denn, ob du nicht eine Kopie gemacht hast und mir nicht das Original gibst? Ich kenne euch Engelpack. Allerdings“, sagte sie in einem nun mehr zufriedenen Ton, „muss ich dir zugestehen, dass dies das richtige ist.“ Sie nahm das Fläschen und schmiss es mir entgegen. Fast wäre es mir entglitten, doch hielt ich es im letzten Moment. „Sei vorsichtig damit“, warnte Laila. „Du hast genug, um zwei Personen damit zu heilen. So als kleiner Bonus von mir. Verlierst du es jedoch, so ist es deine Schuld und du bekommst kein neues von mir.“ Mit diesen Worten verschwand sie und ich war wieder allein in der Dunkelheit.
Noch in der selben Nacht eilte ich zum Hause des Mädchens und seiner Mutter. Fast traf mich der Schlag, als ich einen Leichenwagen vor dem Haus zu stehen sah. Einer dieser seltsam gekleideten Ärzte wartete im Wohnzimmer und redete mit einer jüngeren Dame, die eine Tante zu sein schien. „Sie wird nicht mehr lang unter uns weilen“, meinte der Arzt und tätschelte ihre Hand. „Ich werde hineingehen und ihren letzten Stunden beiwohnen.“ Ich eilte in das Zimmer der Mutter, doch das Mädchen war nicht darin. „Sie werden sie nicht herein lassen, damit sie sich nicht ansteckt“, dachte ich mir. Vorsichtig flößte ich der Mutter die Hälfte des Trankes ein. Sofort ließ das Husten merklich nach. Ich hoffte, dass Laila mich nicht betrogen hatte und das wirklich ein Heilmittel war. Ich musste ihr vertrauen.

„Lucia! Lucia, wach auf! Gott hat dich zu sich gerufen!“, verschlafen taumelte ich aus meinem Bett. Meine Gedanken wanderten wie von selbst zu dem Mädchen und der Mutter. Vor drei Tagen hatte ich ihr die Medizin gegeben. Ob sie schon geheilt war oder wollte Gott mich bloß zu ihm bitten, um sie im Himmel zu begrüßen?
Ich eilte in den Audienzsaal. Gott sah verwirrt aus und schaute mich merkwürdig an. Wusste er, was ich getan hatte?, durchzuckte es mich plötzlich. Würde er mich auch verbannen? „Lucia...“, setzte er an und meine Nackenhärchen stellten sich auf. „Du wirst es nicht glauben, aber die Mutter des Kindes ist geheilt worden.“ Ich starrte ihn an. Meine Überraschung brauchte ich nicht zu spielen. „Wirklich?“, keuchte ich und war außer mir vor Freude. „Du weißt nicht zufällig, wie das passieren konnte? Ich kann es mir einfach nicht erklären. Es war an der Zeit für sie, uns hier oben zu begleiten, aber... es ist einfach seltsam.“ „Ich weiß nicht“, log ich, „aber nichts könnte mir ein größeres Geschenk sein!“ „Das dachte ich mir“, sagte Gott und schaute mich an. „Darum solltest du es auch zuerst erfahren. Anscheinend geschehen selbst ohne meine Hilfe noch Wunder.“

Es war erst Monate später, dass ich erfuhr, was für ein wertvolles Buch ich Laila dort hatte zukommen lassen. Es war das einzige Buch, von dem Gott noch keine Kopie hatte machen lassen. Es war der Zeitpunkt, dass es zur Sicherheit kopiert werden sollte, als überall im Himmel Suchanzeigen nach dem Buch Die Großen des Krieges erschienen. Zuerst machte ich mir keine Sorgen darüber, weil ja selbst nach den belanglosesten Sachen gesucht wird, sowie sie erst einmal verschwunden sind, doch dann sprachen wir in der Schule darüber, was für ein wertvolles Buch es sei und dass wir sofort Bescheid zu sagen hätten, sollten wir irgendetwas über sein Verschwinden wissen. Sei ein das Buch über den ersten Krieg der Engel gewesen, in welchem Luzifer Gott verraten hätte mit all seinen Geheimnissen und Geschehnissen. Würde das Buch nicht gefunden, wäre all dieses Wissen für immer verloren. Auf einmal wusste ich, was für einen schrecklichen Fehler ich begangen hatte. Sollte das jemals ans Tageslicht gelangen, wären meine tage im Himmel gezählt...

Dieses Geheimnis trug ich in mir verschlossen für sehr lange Zeit. Das Buch tauchte nie wieder auf. Das Wissen für Generationen – verloren. Wegen mir. Es machte mich unsicher, dass ich keine Schuldgefühle verspürte. Ich glaubte immer noch, dass es besser gewesen war, dem Mädchen und seiner Mutter zu helfen. Noch immer besaß ich den Rest im Fläschen für eine zweite Person.
Eines Tages jedoch, nicht sehr weit vom heutigen, erblickte ich sie – im Himmel! Ich war gerade von einer Mission zurückgekehrt und wollte mich eigentlich entspannen, als mein Blick auf –Karina– und ihre Engelsbegleiterin fiel... Laila! Ich erstarrte. Unsere Blicke trafen sich. Mich beschlich ein ungutes Gefühl. Es schien, dass mein Geheimnis sich nach all diesen Jahren in Gefahr befand, endlich aufgedeckt zu werden...

IMG

  Private statement  Private statement
Ich muss schon zugeben, dass ich ein bisschen an Engel glaube, aber nicht so richtig und auch nicht immer. Manchmal hat man schon das Gefühl, dass einem ein Engel zur Seite gestanden hat (zum Beispiel, wenn man sich verliebt und der Junge deine Liebe erwidert). Außerdem ist die Vorstellung schön, dass es dort irgendwo Wesen gibt, die uns begleiten und versuchen, uns zu helfen und uns zu beschützen wo nur immer sie können.

Ich denke, dass jeder Engel im Paradies seinen Lieblingsplatz hat, an dem er oder sie sich aufhalten kann. Sie leben sehr zur Natur hingezogen und achten sorgfältig darauf, dass es allen gut geht und alles blüht und gedeiht. Auch haben sie immer ein achtsames Auge auf uns Menschen gerichtet. Ab und zu fliegen sie auf die Erde, um ihren Aufgaben, die ihnen zugeteilt wurden, nachzugehen und Gesundheit, Freude und Friede auf die Erde zu bringen. Im Grunde leben sie also in vollkommener Harmonie. Das einzige, was diese Harmonie stören könnte, sind die Angriffe Luzifers auf die Menschen, die die Engel immer wieder zu vereiteln versuchen und es meistens auch schaffen. Den Engeln macht es Spaß, ihren Aufgaben nachzugehen und sich abends mit den anderen Engeln ihren Erfahrungen auszutauschen. Sie lieben alles, was mit Natur zu tun hat und wandeln deshalb auch oft in irdischen, noch nicht von Umweltzerstörung und Katastrophen heimgesuchten Wäldern. Im Grunde genommen sind sie glücklich, obgleich sie nicht lieben können.
Einige von ihnen, die die Liebe entdeckten, leben jedoch unglücklich. Sie können sich über die Dinge, über die sie sich früher freuten, nicht mehr freuen. Entweder begehen sie Sünde oder bitten Gott darum, keine Engel mehr sein zu dürfen.
IMG

IMG